50 Stunden-Woche

Immer mehr Schüler nehmen die Dienste eines professionellen Nachhilfeinstituts in Anspruch.

So manches Nachhilfeinstitut samt seiner Lehrer wird sich freuen – in Deutschland wird von den Eltern so viel Nachhilfe gebucht wie noch nie. Vor allem an den Gymnasien, die ja zur Zeit eine Großbaustelle darstellen, weil die Länder das „Abitur nach 12 Jahren“ durchziehen wollen, es aber bislang versäumt haben, den Unterrichtsstoff aus 13 Jahren vernünftig auszudünnen. So kommt es, dass viele Gymnasien faktisch zu Ganztagsschulen geworden sind, ohne dass sie dem Lern-Tag für ihre Schüler einen neuen Rhythmus gegeben haben oder ein attraktives Angebot für Mahlzeiten, Pausen und Freistunden angeboten haben. Kein Wunder also, dass die Schüler klagen, sie hätten viele Wochen mit 35 bis 40 Unterrichtsstunden. Dazu kommen aber noch die Hausaufgaben und das Lernen für Klassenarbeiten und Klausuren. Da kommen die Schüler schnell auf eine 50-Stunden-Woche. Und wer dann noch Probleme hat, den Inhalten angemessen zu folgen und sich noch um Nachhilfestunden bemüht, der hat zwischen Aufstehen und zu-Bett-gehen sicherlich keine Freizeit mehr. Die Eltern sehen es mit gemischten Gefühlen, sie leiden mit ihren Kindern, wollen aber doch, dass am Ende die Quälerei nicht umsonst war und das Abi geschafft wird. Die Nachhilfe-Institute haben sich auf diese Klientel eingestellt und versuchen mit einer etwas anderen Didaktik und viel Einfühlungsvermögen, den Schüler dort abzuholen, wo er mit seinem Leistungsvermögen steht. So kommt es, dass viele Schüler oft mehr bei ihren Nachhilfelehrern kapieren als in der Schule. Das ist ein gutes Zeichen und lässt die Schüler mehr Selbstbewusstsein entwickeln und stärker an die eigenen Fähigkeiten glauben, aber als Eltern fragt man sich natürlich, warum so was nicht auch in der Schule geht.

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